23.1.2017
190 Jahre Kirchweihe Stadtkirche Rastenberg
Vor 190 Jahren, am 14.12.1826, wurde die nach Entwürfen von Coudray errichtete Stadtkirche geweiht. Diesem Ereignis widmete man vom 14.12. bis zum 18.12. 2016 eine Festwoche. Gemeinsam bereiteten die Kirchengemeinde und der Orgelförderverein das Ereignis vor.
Den Auftakt bildete am Mittwoch der evangelische Festgottesdienst in der katholischen Josefskirche, die zugleich als Kunsthaus, wegen der Bauarbeiten in der großen Stadtkirche, ökumenischer Gastgeber war. Das würdigte auch der Thüringer Landtagspräsident Christian Carius in einer beeindruckenden Rede, die ein Zusammenrücken in Zeiten abwesender Geborgenheit der Menschen, als uns allen guttuenden Weg hervorhob.
Pfarrer Andreas Simon schilderte in der Festpredigt die Situation der Menschen in Rastenberg nach dem Brand 1824 sehr dramatisch und fast ausweglos. Warum dann schon ein Jahr nach dem verheerenden Brand der Grundstein für eine neue Kirche gelegt wurde, deutete er mit der Wichtigkeit, einen Ort der Gemeinschaft in dieser Not zu haben. Das wurde auch in unsere sich schnell verändernde Welt projiziert und verlangt auch heute nach Orten der Geborgenheit. Unter diesem Zeichen steht das gesamte Projekt der Restaurierung der Kirche und seiner historischen Orgel.
Prof. Dr. Rolf Bothe hob in einer Laudatio zur Bedeutung der Rastenberger Kirche im Schaffen von Coudray deren Einzigartigkeit als klassizistischer Sakralbau hervor, der dadurch auch eine nationale Bedeutung erlangt hat.
So wurde dann auch eine Porträtbüste Coudrays, 1846 von Ernst Friedrich August Ritschel geschaffen, vom Fördervereinsvorsitzenden Udo Schneider enthüllt. Von Ritschel stammt auch das weltberühmte Goethe-und-Schiller-Denkmal in Weimar.
Diese Büste wird nach Abschluss der Innenrestaurierung in einer ständigen Ausstellung auf eine der oberen Emporen in der Kirche zu sehen sein.
Die Sparkassenstiftung Sömmerda überreichte einen symbolischen Scheck für den restaurierten Taufstein. Auch für die Schrift in der Kanzelaltarwand gab es schon eine Spende. Damit wird sehr nachhaltig das Interesse an den Entwicklungen in unserer Region bekundet, wie Hartmut Kruse zum Ausdruck brachte.
Spannend ging es am Donnerstag bei einem Themenabend in der Heimatstube zu. Der Pfarrer schilderte nicht nur aus umfangreichen Aktenfunden das Baugeschehen an der Kirche und den nachbarlichen Gebäuden, sondern gemeinsam mit Frau Christiane Fischer, die Aufzeichnungen des damaligen Pfarrers entziffert hatte, wurden die Lebensverhältnisse dieser Zeit sehr anschaulich vorgetragen. Es gab die Bibel von 1826 und weitere historische Ausstattungsstücke zu sehen. Mit der Kirchweihfahne der männlichen Jugend von 1824 hat Rastenberg wohl auch die derzeit älteste Kirchenfahne der Landeskirche Thüringens.
Der Freitag war dem geselligen Adventstürchen in Rastenberg mit weihnachtlichem Chorgesang im Gemeinderaum gewidmet, und am Samstag stand die Schulzeorgel im Mittelpunkt. Nachdem Organist und Orgelexperte Jiri Kocourek aus Dresden in der winterkalten Baustellenkirche die in Folien verpackte „Alte Dame“ erklingen ließ, konnten im gut geheizten Gemeinderaum bei einem adventlichen Kaffeetrinken die Besucher mit auf Exkursion durch das Leben der Orgelbauerfamilie Schulze gehen. Die Zuhörer wurden auch mit Bildern und Klängen noch vorhandener Schulzeorgeln in den Bann gezogen. Die Originalität und Authentizität hat die Orgel in der Rastenberger Stadtkirche allen anderen Schulzeorgeln voraus, meinte der Experte. Ab 2020 beginnt die Restaurierung dieser bedeutenden Orgel.
Mit einem Gottesdienst am Sonntag und anschließendem gemütlichen Beisammensein klang unter Anwesenheit der Superintendentin, Frau Bärbel Hertel, im Gemeinderaum die Festwoche mit dem Blick auf das 200-jährige Jubiläum aus.
